ROZZ Nachwuchspreis

Wichtigstes Ereignis für die Popularisierung von ROZZ war ohne Zweifel 1979 der 1. Preis beim 2. Pop-Nachwuchsfestival in der Sparte Jazz mit Fernsehauftritt im ARD-Programm und anschließendem Plattenvertrag. Wie kam es dazu?

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Pop-Nachwuchsfestivals der Deutschen Phono-Akademie

Die Deutsche Phono-Akademie, eine Stiftung mit Unterstützung der Schallplattenindustrie, hatte mit ihrem Generalsekretär Klaus Peter Samson 1978 erstmalig ein Deutsches Pop-Nachwuchsfestival ausgerichtet, dass bis 1982 jährlich nationale Sieger in den Sparten „Folksong/Lied”, „Rock” und „Jazz” kürte. Dank der zusätzlichen Unterstützung durch Funk und Fernsehen des Bayerischen Rundfunks, zahlreichen Veranstaltern, Medienfachleuten und bekannten Künstlern entstand ein interessantes Forum für die beteiligten Bewerber und Bands, die sich in einer internen Vorausscheidung mit eigenem Demo-Material zu behaupten hatten.

Mehr Glück als Verstand bei der Vorauswahl?

ROZZ bewarb sich mit bescheidenen 2-Spur-Live-Aufnahmen vom 1. offiziellen Auftritt der Band (am 09.02.79 in Berlin) und gelangte damit 1979 in die Entausscheidung in der Sparte „Jazz”. Das hieß Soundcheck, Auftritt und Fernsehmitschnitt im Stadttheater von Würzburg vor Publikum und einer gemischten Jury, die aus je 6 Vertretern bzw. Bands der Sparten „Folk/Lied”, „Rock” und „Jazz” einen Sieger auswählte.

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Solidarische Aktion: Der Preis wird geteilt

Um dem Wettkampfcharakter auszuhebeln, beschlossen die Gruppen der „Rock”- als auch der „Jazz”-Sparte gemeinsam vor der Endausscheidung, unabhängig von der Entscheidung der Jury den Preis von 10.000 DM auf alle 6 beteiligten Bands bzw. Künstler aufzuteilen (Orginalton: „Die Asche wird geteilt, komme was wolle”). Das entsprach dem Zeitgeist, Solidarität war wichtig und so wurde es gehandhabt, als „ROZZ” in der Sparte Jazz und die „Törner Stier Crew” in der Sparte Rock die ersten Preise zugesprochen bekamen.

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Mit Rock-Jazz einen 1. Preis in der Sparte Jazz

Beide hatten durch ihre originelle Musik und vor allem die lebendige Bühnenpräsenz (manche nannten es Klamauk) zu der Entscheidung beigetragen. Die Enttäuschung bei den anderen (Jazz)musikern war zu spüren: „Verdienter Preis, aber nicht in dieser Sparte (Jazz)”, „warum Amateure und nicht Profis fördern?” bis zu „Keine Fuzzelchen Jazz”, Originalton des Jazz-Schlagzeugers Sunk Pöschl (im Gegenzug abfällig „Der Raschler” genannt). Das Dilemma von Stilmischungen (Rock-Jazz) war erneut Ausgangspunkt für Polarisierung und Abgrenzungen. Zusätzliches Dilemma: Klaus Doldinger war ebenfalls in der Jury; ganz klar ein Musiker und Komponist, dessen eigener Erfolg auf der Fusion von Stilen beruhte. Die Presse griff die Widersprüche gerne auf, bot sie doch einen guten Aufhänger für kulturkritische Diskurse, das Verhältnis zur Industrie und die Aufgaben des Staates bei der Förderung populärer Musikrichtungen.

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Musiker mit Instrumenten oder Musiker als Instrumente?

Kritische Stimmen bezeichneteten die Phono-Akademie ohnehin als Lobbyverein für die Interessen der Tonträgerhersteller und sahen in ihren Aktivitäten schlichte Imageverbesserung. Unabhängige Bands wie Munju aus Würzburg, die eigene und industrieunabhängige Vertriebswege für ihrer Tonträger etabliert hatten (Schneeball 1 u. Schneeball 2; Vorreiter der „Independent-Bewegung”) nutzten die Gelegenheit, die Kommerzialisierung und Ausbeutung der Künstler zu kritisieren.

PhonoakademieKritik1979

Fazit: Preise können direkte und indirekte Folgen haben

Rückblickend war dieser 1. Preis, ob nun als Jazz- oder Rockband, ein echter Gewinn, auch wenn das Preisgeld aufgeteilt worden war:

Die Ausstrahlung der Fernsehaufzeichnung Ende 1979 im 1. Programm der ARD bedeutete überregionale Popularität, zumal es damals nur 3 Fernsehsender in Deutschland gab.

Plötzlich öffneten sich Türen von Veranstaltern, wie z.B. dem renommierten Quasimodo in Berlin, die zuvor verschlossen waren.

Verschiedene Angebote von Plattenfirmen und ein durchaus fairer Vertrag mit der TELDEC über die Produktion von 2 Langspielplatten waren ebenfalls das Ergebnis der Preisvergabe.

Zahlreiche Kontake zu Club-Betreibern, anderen Bands und die Möglichkeit, außerhalb von West-Berlin mit seinem „Inselstatus” zu touren, schafften bessere Bedingungen, allerdings auch keine Hängematte.